Nachruf auf Prof. Dr. Wolfgang Spiegel (1944–2026)
Bild: Pressearchiv/BUW
Wolfgang Spiegel wurde am 15. Januar 1944 in Berlin geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1963 begann er ein Studium der Mathematik an der Freien Universität Berlin, das er 1968 mit dem Diplom abschloss. 1971 promovierte er dort zum Dr. rer. nat., 1975 folgte seine Habilitation im Fach Mathematik.
Ein Jahr später wechselte er an die damals noch junge Gesamthochschule Wuppertal, die erst wenige Jahre zuvor gegründet worden war. Dort wurde er 1976 Privatdozent, 1980 außerplanmäßiger Professor und 1981 ordentlicher Professor für Didaktik der Mathematik.
Über viele Jahrzehnte prägte Wolfgang Spiegel die Entwicklung des Faches Mathematik an der Bergischen Universität maßgeblich. Ihm lag besonders daran, die Didaktik der Mathematik eng mit der Fachmathematik zu verbinden und den Austausch innerhalb der Fachgruppe zu stärken. Als Dekan des damaligen Fachbereichs Mathematik (Fachbereich 7) übernahm er im Jahr 2001 Verantwortung in der akademischen Selbstverwaltung.
In den ersten Jahren seiner wissenschaftlichen Laufbahn widmete er sich vor allem der mathematischen Forschung und der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten. Zugleich war ihm die Lehre stets ein zentrales Anliegen, das im Laufe der Zeit zu einer besonderen Leidenschaft wurde. Generationen von Studierenden erinnern sich an seine großen, lebendigen Vorlesungen, die durch Klarheit, Humor und Begeisterung für die Mathematik geprägt waren. Es gelang ihm, ein oft als schwierig empfundenes Fach zugänglich und spannend zu vermitteln.
Auch in der Hochschulleitung engagierte sich Wolfgang Spiegel mit großem Einsatz. Nach seiner Zeit als Dekan wurde er Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs im Rektorat von Prof. Dr. Volker Ronge, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. In dieser Funktion setzte er sich insbesondere für die stärkere Sichtbarkeit der Forschung an der Bergischen Universität ein. Unter anderem war er Mitinitiator des „Barmenia Mathematik-Preises" und engagierte sich bei den „Tagen der Forschung“, mit denen wissenschaftliche Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Ein besonderes Anliegen war es ihm, Mathematik auch außerhalb der Universität erfahrbar zu machen. Mit großer Freude trat er bei öffentlichen Veranstaltungen auf und verband seine sprichwörtliche Fröhlichkeit mit allgemeinverständlichen Einblicken in Mathematik und ihre Geschichte.
Neben der Wissenschaft galt seine Leidenschaft auch Kunst und Kultur. Besonders verbunden fühlte er sich dem Wuppertaler Tanztheater. Noch in späteren Jahren erfüllte er sich einen außergewöhnlichen Wunsch: Als aktiver Mittänzer wirkte er bei einem Gastspiel des Tanztheaters im Londoner Barbican Theatre in einer Aufführung von „Kontakthof” mit und stand dort selbst auf der Bühne.
Wolfgang Spiegel wurde von vielen als offener, zugewandter und ausgesprochen freundlicher Mensch geschätzt, dem Austausch und Vernetzung stets wichtig waren. Mit seinem Berliner Charme, seiner Herzlichkeit und seinem Humor prägte er über Jahrzehnte das akademische Leben in Wuppertal.
Mit Prof. Dr. Wolfgang Spiegel verliert die Bergische Universität Wuppertal einen engagierten Wissenschaftler, einen leidenschaftlichen Lehrer und einen geschätzten Kollegen. Sein Wirken und seine Persönlichkeit werden vielen Menschen in dankbarer Erinnerung bleiben.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie sowie allen Angehörigen und Freunden.
Prof. Dr. Francesco Knechtli
Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften
im Namen aller Kolleginnen und Kollegen