Nachruf auf Prof. Dr. Harald Scheid (1939–2026)
Prof. Dr. Harald Scheid (Quelle: BUW Pressearchiv)
Harald Scheid wurde am 6. Mai 1939 in Bad Kreuznach geboren. Er studierte Mathematik und Physik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, wo er 1966 promovierte und sich 1970 habilitierte. Nach einer Professur an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule Rheinland-Pfalz in Worms wurde er 1974, nur zwei Jahre nach Gründung der damaligen Gesamthochschule Wuppertal, an die Bergische Universität berufen. Dort übernahm er den Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik und gehörte damit zu den Gründungsmitgliedern des Fachbereichs Mathematik.
Über drei Jahrzehnte hinweg prägte Harald Scheid die Mathematik an der Bergischen Universität maßgeblich. Er war dreimal Dekan des Fachbereichs Mathematik und setzte sich intensiv für dessen Entwicklung ein. Gleichzeitig engagierte er sich besonders dafür, Mathematik über die Grenzen der Universität hinaus sichtbar zu machen. Mit großem Einsatz organisierte er Vorträge, Seminare und Veranstaltungen für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie für ein breites Publikum. Auch Initiativen wie die Seniorenuniversität profitierten von seinem Engagement.
Seine wissenschaftliche Arbeit verband Fachmathematik und Didaktik in besonderer Weise. Neben Beiträgen zur Zahlentheorie widmete er sich intensiv der Vermittlung mathematischer Inhalte. Dabei besaß er die seltene Fähigkeit, komplexe mathematische Zusammenhänge klar und verständlich darzustellen und damit Begeisterung für Mathematik zu wecken. Diese Stärke spiegelte sich auch in seinen zahlreichen Veröffentlichungen wider: mehr als 50 Lehr- und Fachbücher, darunter Schulbücher, universitäre Lehrwerke und Nachschlagewerke wie der Schülerduden Mathematik, tragen seine Handschrift.
Auch innovative Formen der Wissensvermittlung lagen ihm am Herzen. So war er didaktischer Berater des Wuppertaler Multimedia-Projekts „MathePrisma“, das 2001 mit dem MEDIDA-PRIX der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus wurde er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen im Jahr 2004 mit dem NaT-Working-Preis der Robert Bosch Stiftung für besonders kreative Unterrichtskonzepte geehrt.
Generationen von Studierenden erinnern sich an ihn als leidenschaftlichen Lehrer, der sich mit großer Hingabe für ihre Ausbildung einsetzte. Seine Vorlesungen, Gespräche und Aufgabenstellungen zeichneten sich durch Klarheit, Struktur und Eleganz aus. Kolleginnen und Kollegen schätzten ihn nicht nur als produktiven Wissenschaftler, sondern auch als bescheidenen, zugewandten und menschlich sehr geschätzten Kollegen, der stets Zeit für Austausch und Diskussion fand.
Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2004 blieb Harald Scheid der Mathematik eng verbunden. Von seinem Wohnort in Rheinhessen aus nahm er weiterhin regelmäßig an mathematischen Seminaren teil, diskutierte aktuelle Arbeiten und verfolgte die Entwicklungen seines Fachs mit großer Leidenschaft.
Mit Harald Scheid verliert die mathematische Gemeinschaft einen Wissenschaftler, der die Didaktik der Mathematik in Wuppertal maßgeblich aufgebaut, Generationen von Studierenden geprägt und mit seinen Büchern und Ideen weit über die Universität hinaus gewirkt hat.
Wir werden Prof. Dr. Harald Scheid als geschätzten Kollegen, Lehrer und Wissenschaftler in dankbarer Erinnerung behalten. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie.
Prof. Dr. Francesco Knechtli
Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften
im Namen aller Kolleginnen und Kollegen